Ausfallzeiten, Kapazitätsengpässe, Überkapazitäten – Widersacher einer vorausschauenden Kapazitätsplanung

Elena Höppner
von Elena Höppner Content MarketingPubliziert am 20.01.2022

Unplanbare Schlechtwetterperioden, die jährliche Grippewelle und nicht zuletzt auch Corona mitsamt seinen Quarantäneregelungen – die Ursachen, die zu unvorhersehbaren Ausfallzeiten im Baubetrieb führen, sind divers. Darüber hinaus kann eine inkonstante Auftragslage, mit welcher Kapazitätsengpässe aufgrund einer Vielzahl von Aufträgen sowie Überkapazitäten aufgrund eines Auftragsmangels verbunden sind, teils zu heftigen Schwankungen in der Personalauslastung führen. Nicht zuletzt sind die zeitliche Fehlplanung wie auch mögliche Baufehler anderer am Bauprojekt beteiligter Gewerke Umstände, die eine Verzögerung des gesamten Projekts zur Folge haben können und sich somit auf die Kapazitätsauslastung des eigenen Betriebs auswirken.

Dabei sind die verschiedenen Gewerke im Bauwesen unterschiedlich stark von Kapazitätsschwankungen betroffen. So weisen Gewerke, die vor Ort entstehen und Wettereinflüssen deutlich stärker ausgesetzt sind, wie beispielsweise der Tief- und Strassenbau, Spengler oder Dachdecker, ein höheres Risiko für Auslastungsschwankungen auf. Gewerke hingegen, welche vorfabriziert werden und somit in einer Werkhalle entstehen, wie beispielsweise der Holzbau, Stahlbaukonstruktionen und vorfabrizierte Betonelemente, sind deutlich weniger wetterabhängig, wodurch eine gleichmässigere Betriebsauslastung begünstigt wird.

Schlussendlich charakterisiert sich die Projektarbeit jedoch dadurch, dass alle Gewerke voneinander abhängig sind und Verzögerungen aufgrund von Wetter, Krankheit oder Fehlplanung auf alle Projektbeteiligten Einfluss haben. Aus diesem Grund ist eine vorausschauende Kapazitätsplanung unabdingbar, um das Risiko von Überkapazitäten und Kapazitätsengpässen auszugleichen. Da das Baustellenpersonal die für die Kapazitätsplanung massgebende Ressource ist und die produktiven Arbeitsstunden letztendlich den Planungsengpass darstellen, ergibt sich die Frage, wie diese vorübergehenden personellen Kapazitätsschwankungen ausgeglichen werden können.

Hier bieten sich für Baubetriebe verschiedene Möglichkeiten, die je nach individueller Ausgangssituation sinnvoll sein können. Eine Option zum Ausglätten von Kapazitätsschwankungen wäre eine interne Rochade von Mitarbeiter*innen, wodurch personelle Auslastungsdifferenzen an verschiedenen Standorten minimiert werden können. Eine weitere Option wäre der Einsatz von Fremdpersonal. Hier stellt sich die Frage, unter welchen Umständen es sich lohnt, temporäre Mitarbeiter*innen zu beschäftigen oder sich Arbeitnehmer*innen eines anderen Betriebes vorübergehend auszuleihen – und welche Aspekte dabei beachtet werden müssen. Inwiefern kann es sinnvoll sein, eine Arbeitsgemeinschaft mit anderen Baubetrieben zu gründen oder Baubetriebe als Nachunternehmer mit der Ausführung von Bauleistungen zu beauftragen? Mit diesen Fragen werden wir uns in den kommenden Artikeln genauer auseinandersetzen.