Schneller, höher, weiter – aber führt das zum Ziel?

Elena Höppner
de Elena Höppner Content Marketing 12.05.2022

Haben Sie auch manchmal das Gefühl, Sie müssten immer erreichbar, immer auf dem neusten Stand der Technik, immer in Topform sein? Letztendlich in immer kürzerer Zeit immer mehr leisten? Oft, und immer öfter, haben wir den Eindruck, wir müssten – ähnlich wie jede neue Technologie im Vergleich zur vorherigen – bei unserer Arbeit noch eine Schippe an Effektivität drauflegen. Noch schneller, noch flexibler, noch innovativer. Denn da ist ja schliesslich noch Luft nach oben, oder?

Im Gegensatz zu den von Tag zu Tag menschlicher werdenden Robotern oder ihren vierbeinigen Gefährten, lässt sich unsere Batterie allerdings nicht so einfach über Nacht wieder aufgeladen. Oder ein Problem schnell mit Schraubenzieher und einem gekonnten Handgriff lösen. Deshalb müssen wir lernen, gerade in dem viel fordernden Bereich der Arbeit auf uns zu achten. Wann fühlen wir uns von unserer Arbeit herausgefordert und ausgelastet – und wann ist es uns eigentlich zu viel und wir merken, dass wir unsere Grenzen regelmässig übergehen.

Beginnen wir mal von vorne: Was sagt die Studienlage zu dem Thema?
Dass Arbeit als zeitlich bedeutender und inhaltlich wichtiger Faktor einen wesentlichen Einfluss auf unsere Gesundheit hat, ist soweit keine Neuigkeit. Dabei hat Arbeit grundsätzlich das Potential, positiv auf die psychische Gesundheit zu wirken: So werden Aktivität und Kompetenz gefördert, Kooperationsmöglichkeiten bereitgestellt und sie kann als Quelle für soziale Anerkennung fungieren. Damit erfüllt sie wichtige psychosoziale Funktionen – und das ist schon mal ein grosses Plus. Durch die zunehmende Beschleunigung und Intensivierung der Arbeitswelt gilt es in Bezug auf unser langfristiges Wohlbefinden allerdings auf einiges zu achten. Gerade mit der Digitalisierung gehen grundlegende Veränderungen einher, die neue Belastungen für Erwerbstätige mit sich bringen. Das allgemein zunehmende Tempo der Arbeit führt ebenso zu steigenden persönlichen Anforderungen: Immer über das neuste Wissen verfügen und dabei noch möglichst flexibel sein. Das birgt natürlich neue Möglichkeiten im beruflichen Alltag – aber auch neue Risiken. Aus diesem Grund führt die Gesundheitsförderung Schweiz seit 2014 regelmässig Erhebungen zu arbeitsbedingtem Stress durch und ermittelt Zusammenhänge mit Gesundheit und Produktivität der Erwerbstätigen.

Nun zu den Fakten: Was sagen die Zahlen?
Fast ein Drittel der Erwerbstätigen (29,6%) gibt nach eigener Aussage an, mehr Belastungen als Ressourcen am Arbeitsplatz zu haben. Dieses individuell wahrgenommene Ungleichgewicht von Belastungen und Ressourcen ist das, was wir klassisch als «Stress» bezeichnen. Dabei geht der Trend über die letzten Jahre in eine ungünstige Richtung: Seit 2014 steigt der Stress-Mittelwert fortlaufend an; im Durchschnitt haben die Belastungen am Arbeitsplatz somit über die letzten Jahre stetig zu- und die Ressourcen stetig abgenommen. Ähnlich sieht es mit dem Anteil an Erwerbstätigen aus, die sich emotional erschöpft fühlen – und diese Kennzahl ist besonders wichtig in Bezug auf das Befinden der Arbeitnehmenden. Laut eigener Aussage fühlen sich 28,7 Prozent emotional erschöpft, was fast ein Drittel aller Erwerbstätigen ausmacht.

Und was bedeutet das für uns und unsere Arbeit?
Zunächst mal ist es wichtig, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Unsere Arbeitsbedingungen gehören – natürlich neben privaten Belastungen ¬– zu den grössten Einflussfaktoren von Stress und emotionaler Erschöpfung. Diese ungünstigen Arbeitsbedingungen können auf Dauer zu ernsten gesundheitlichen Konsequenzen führen: So gehört emotionale Erschöpfung als Folge von Stress zu den Hauptmerkmalen eines Burnouts. Am Ende stellt sich natürlich die Frage: Was können wir tun, um Stress zu reduzieren, emotionale Erschöpfung zu vermeiden und damit letztendlich ernste Folgen wie ein Burnout abzuwenden? Mit diesen Fragen wollen wir uns in unseren nächsten Artikeln beschäftigen.