Kooperation statt Konkurrenz – Bauunternehmen halten zusammen

Elena Höppner
da Elena Höppner Content Marketing 03.02.2022

Nachdem wir in unserem letzten Artikel auf den Einsatz von Temporären mit ihren Vor- wie auch Nachteilen eingegangen sind, möchten wir uns diese Woche mit einer Alternative zu diesem Modell beschäftigen. Auch hier steht im Vordergrund, eine kurzfristige Überbrückung von Kapazitätsengpässen durch den zeitlich begrenzten Einsatz zusätzlicher Mitarbeitender zu erreichen - in diesem Fall allerdings direkt auf der Ebene der Baubetriebe ohne die Vermittlung durch aussenstehende Temporärbüros. Zu dieser sogenannten Arbeitnehmerüberlassung, die aufgrund der Wechselseitigkeit sowohl für die personalverleihenden wie auch -leihenden Unternehmen einen Mehrwert darstellt, haben wir Manuel Ernst, den Leiter Holzbau der az Holz AG aus Liestal, interviewt.

Herr Ernst, wir haben den Eindruck gewonnen, dass schwankende Kapazitäten eine grosse Herausforderung in der Baubranche sind. Inwiefern würden Sie dem zustimmen?
Ja, es ist in der ganzen Bauwirtschaft so, dass Auslastungen sehr schwankend sind, oft auch abhängig von anderen Gewerken oder Behörden, weil die Bewilligung nicht kommt, wie man es geplant hat.

Verstehe. Welche Möglichkeiten gibt es für Sie, diese schwankenden Kapazitäten auszugleichen?
Entweder mit Temporären aufstocken oder aber - was wir viel lieber machen - von anderen Zimmereien Personal ausleihen. Wenn eine Zimmerei etwas weniger Arbeit hat, kann man Mitarbeitende dort ausleihen.

Ok interessant, wo liegen dabei die Vorteile im Vergleich zu Temporären?
Meistens sind es die besseren Leute, besser qualifiziert und sie erbringen bessere Arbeitsqualität. Auf dem Temporärmarkt, wo sehr wenig Leute unterwegs sind, sind dann meistens die schlechteren Leute unterwegs. Wenn man mal einen guten Temporären hat, dann stellt man ihn meistens auch direkt fest ein.

Haben Sie denn schon Negativerfahrungen gemacht mit Temporären?
Ja, eben in Form dessen, dass die Arbeitsqualität nicht gut war.

Ok, ich verstehe. Und wenn Sie sich Mitarbeiter ausleihen von anderen Firmen, wie kann man sich das vorstellen, wie funktioniert das, wie sind Sie da organisiert?
Das ist ähnlich wie mit Temporären. Es funktioniert telefonisch, also man ruft sich an und fragt, ob der andere Kapazität hat. Dann kommen die Leute zum Arbeiten und nachher stellt man die Rechnung.

Ok, das heisst Sie sind einfach verschiedene Firmen, die sich gegenseitig kennen, also privat, und dann rufen Sie sich direkt an?
Ja, genau. Man kennt einander sowieso vom Verband her oder sonst von Anlässen und dann kann man einfach nachfragen, wie’s aussieht.

Ah klar. Und Sie sagten, die Entlohnung funktioniert über eine Rechnungsstellung gegenseitig?
Richtig, man macht einen Stundenlohn ab und dann kann der, der das Personal ausleiht, anhand von Stundenlohn und der geleisteten Stunden eine Rechnung stellen. Wie bei den Temporären eigentlich auch, also auf Stundenlohnbasis.

Ok und gibt es da rechtlich irgendwelche Dinge, die man beachten muss, in Bezug auf Steuern, Versicherung und solche Sachen?
Nein, das läuft alles gleich weiter, also die Mitarbeitenden bleiben angestellt bei ihrem Unternehmen, der Unternehmer leiht einfach das Personal aus, aber alles andere läuft weiter, also Sozialabzüge, Versicherungen usw.

Ok, und in Bezug auf die Stundenzahl übernehmen sie dann die Stundenzahl, die der-/diejenige bei dem anderen Unternehmen angestellt wäre?
Nein, einfach die, die er effektiv schafft. Wenn er also neun Stunden bei uns arbeitet, werden neun Stunden aufgeschrieben und auch neun Stunden berechnet.

Alles klar. Sie nannten vorhin als Vorteil beim Ausleihen von Personal, dass die Arbeit qualitativ besser ist, aber gibt es auch Nachteile bei diesem Modell?
Nein, eigentlich bis jetzt haben wir keine gehabt.

Ok, das ist ja auch gut. Wie viele Firmen kennen Sie circa, mit denen Sie zusammenarbeiten?
Das müssten so drei oder vier Firmen sein, mit denen wir zusammenarbeiten.

Und wie funktioniert das, wenn Sie jetzt eine*n Mitarbeiter*in mit speziellen Kompetenzen brauchen, können Sie ihn/sie dann anfragen? Oder bekommen Sie denjenigen/diejenige zugeteilt, der/die bei dem anderen Betrieb gerade weniger ausgelastet ist oder wie deckt sich das?
Im Normalfall sind es alles gelernte Zimmerleute und dann fragt man einfach nach einem Zimmermann. Und wenn es einen Vorarbeiter braucht, dann fragt man explizit nach einem Vorarbeiter, aber das ist eher seltener der Fall. In der Regel braucht man einfach Zimmerleute, also manpower.

Wie oft kommt es ungefähr vor, dass Sie Mitarbeitende von anderen Firmen ausleihen?
Letztes Jahr hatten wir fast das ganze Jahr durch welche und im Moment haben wir auch wieder Temporäre, die für uns arbeiten, weil ich niemanden von anderen Firmen finde. Aber es kann auch wieder Jahre geben, da haben wir nichts, das ist ganz unterschiedlich. Es ist auch ein bisschen von der Auslastung abhängig.

Im Sommer dann wahrscheinlich auch mehr als im Winter nehme ich an?
Naja, das ist bei uns nicht mehr gross ein Unterschied, der Bau läuft einfach durch. Nur, dass es im Januar ein bisschen kälter ist, aber wir haben im Moment gerade auch wieder Temporäre und es ist noch Januar. Es ist nicht mehr so wie früher, wo man gesagt hat im Winter ist ruhiger, es ist meistens das ganze Jahr durch hektisch.

Alles klar, das war sehr interessant, vielen Dank für das Interview!

Während in Bezug auf Temporäre also externe Personaldienstleister, die selbst keinen Produktions- oder Dienstleistungsbetrieb führen, als Vermittler fungieren, basiert die gelegentliche Arbeitnehmerüberlassung auf einem kurzfristigen und nicht speziell geplanten «Überlassen» von Arbeitskräften zwischen sich bekannten Bauunternehmen. Da bei der gelegentlichen Arbeitnehmerüberlassung – im Gegensatz zu Temporär- oder Leiharbeit – die Personalverleihung nicht zum Standardangebot des Arbeitgebers gehört und daher keine Regemässigkeit des Verleihs gegeben ist, ist dies auch nicht bewilligungspflichtig. So können Baubetriebe Mitarbeitende an bekannte Unternehmen verleihen oder andersherum von ihnen leihen und sich so gegenseitig bei Kapazitätsengpässen unterstützen.

Wir danken Manuel Ernst vielmals für das Interview.